Manuelle Freigaben, doppelte Dateneingaben und getrennte Anwendungen bremsen Geschäftsprozesse - auch dann, wenn das ERP-System bereits in der Cloud läuft. SAP BTP ergänzt SAP Cloud ERP um Funktionen für Prozessautomatisierung, Integration und individuelle Erweiterungen. So können Unternehmen Abläufe über Systemgrenzen hinweg verbessern und zusätzliche KI-Funktionen einbinden.
Die entscheidende Frage lautet dabei: Welche Anforderungen deckt der ERP-Standard bereits ab, und wo schafft eine Erweiterung zusätzlichen Nutzen? Dieser Beitrag zeigt konkrete Anwendungsfälle für SAP BTP und erklärt, wie Sie Ihr SAP Cloud ERP erweitern und zugleich das Clean-Core-Prinzip berücksichtigen.
Was ist SAP BTP und wie ergänzt die Plattform SAP Cloud ERP?
Die SAP Business Technology Platform, kurz SAP BTP, bündelt Cloud-Services für Integration, Anwendungsentwicklung, Automatisierung, Daten und künstliche Intelligenz. Sie verbindet SAP-Anwendungen mit anderen Systemen und bietet eine Grundlage für unternehmensspezifische Lösungen.
In diesem Beitrag bezeichnet SAP Cloud ERP die SAP S/4HANA Cloud Public Edition. Während das ERP-System standardisierte Geschäftsprozesse bereitstellt, ermöglicht SAP BTP zusätzliche Anwendungen und systemübergreifende Abläufe.
Nicht jede Anpassung erfordert allerdings SAP BTP. Für SAP Cloud ERP stehen mehrere Erweiterungswege zur Verfügung:
- Key-User-Erweiterungen: beispielsweise zusätzliche Felder, angepasste Oberflächen oder ausgewählte Geschäftslogik.
- Developer-Erweiterungen: anspruchsvollere Entwicklungen innerhalb des ERP-Systems mit ABAP Cloud und freigegebenen Entwicklungsobjekten.
- Side-by-Side-Erweiterungen auf SAP BTP: eigenständige Anwendungen und Services, die über freigegebene Schnittstellen mit dem ERP kommunizieren.
Welche Variante passt, hängt von der Anforderung und ihrer Nähe zum ERP-Prozess ab. SAP BTP eignet sich besonders für Erweiterungen, die mehrere Anwendungen verbinden oder einen eigenen Entwicklungs- und Betriebszyklus benötigen.
Welche Lösungen auf SAP BTP verbessern Ihre ERP-Prozesse?
SAP BTP ist die übergeordnete Plattform für verschiedene Services und Lösungen. Für die Verbesserung von Geschäftsprozessen sind insbesondere zwei Angebote relevant:
- SAP Build Process Automation ist eine Lösung auf SAP BTP, mit der Sie Workflows, Freigaben und wiederkehrende Aufgaben automatisieren. Sie steuert beispielsweise, wer einen Vorgang prüfen muss und welcher Schritt anschließend folgt.
- SAP Integration Suite ist eine Integrationslösung auf SAP BTP, die SAP Cloud ERP mit anderen SAP- und Nicht-SAP-Anwendungen verbindet. Sie sorgt beispielsweise dafür, dass Auftragsdaten zwischen einem CRM-System und dem ERP ausgetauscht werden.
Beide Lösungen können zusammenspielen: Die SAP Integration Suite überträgt Daten zwischen den beteiligten Anwendungen, während SAP Build Process Automation den darauf aufbauenden Ablauf steuert. So lassen sich durchgängige Prozesse über Systemgrenzen hinweg gestalten.
Welche Services Sie nutzen können, hängt von den gebuchten Leistungen und Serviceplänen ab. Nicht alle BTP-Angebote sind automatisch im bestehenden Vertragsumfang enthalten.
Anwendungen verbinden. Manuelle Abläufe reduzieren.
Wo liegen die größten Engpässe in Ihrer SAP-Landschaft? Gemeinsam priorisieren wir Integrationen und Automatisierungen und entwickeln eine Roadmap für die nächsten Umsetzungsschritte.
SAP BTP-Anwendungsfälle im Überblick
Die folgenden Beispiele zeigen mögliche Umsetzungsszenarien. Ihr konkreter Umfang hängt von den verfügbaren Schnittstellen, Services und Systemeinstellungen ab.
| Bereich | Möglicher Anwendungsfall | Nutzen |
|---|---|---|
| Einkauf | Zusätzliche Freigaben über mehrere Systeme koordinieren | Weniger manuelle Abstimmung |
| Finanzwesen | Prüfaufgaben zu Rechnungen automatisch verteilen | Schnellere Ausnahmebearbeitung |
| Vertrieb | Auftragsdaten zwischen CRM und ERP übertragen | Weniger doppelte Dateneingaben |
| Logistik | Liefer- und Statusinformationen austauschen | Bessere Transparenz |
| Personal | Onboarding-Aufgaben aus SAP SuccessFactors anstoßen | Einheitliche Abläufe |
| KI | Daten analysieren und Bearbeitungsvorschläge erzeugen | Unterstützung bei Routineaufgaben |
Prozesse auf SAP BTP automatisieren: SAP Build Process Automation
Mit SAP Build Process Automation lassen sich Workflows, Entscheidungen und wiederkehrende Aufgaben automatisieren. Die Lösung unterstützt auch Robotic Process Automation, etwa für repetitive Eingaben über Benutzeroberflächen.
Vor der Umsetzung lohnt sich ein Blick auf den ERP-Standard: Deckt ein vorhandener Workflow die Anforderung ab, ist eine zusätzliche SAP BTP-Lösung möglicherweise nicht erforderlich. Mehrwert entsteht insbesondere dort, wo ein Prozess mehrere Systeme oder Abteilungen umfasst.
Einkauf: zusätzliche Freigaben koordinieren
Eine Bestellanforderung soll neben der regulären ERP-Freigabe eine technische Prüfung durchlaufen. Ein ergänzender Workflow kann die zuständige Person einbeziehen, Rückmeldungen erfassen und den nächsten Schritt auslösen.
Das reduziert Abstimmungen per E-Mail und macht den Bearbeitungsstand nachvollziehbar.
Finanzwesen: Ausnahmen gezielt bearbeiten
Bei einer Rechnungsprüfung fehlen Unterlagen oder es bestehen Abweichungen. Ein Workflow kann die zuständigen Mitarbeitenden informieren, ergänzende Angaben anfordern und offene Aufgaben nachverfolgen.
Das Finanzteam erhält einen strukturierten Arbeitsvorrat und kann sich auf Fälle konzentrieren, die eine fachliche Entscheidung benötigen.
Personal: Onboarding über Systemgrenzen hinweg steuern
Ein neuer Mitarbeitereintrag in SAP SuccessFactors kann als Ausgangspunkt für einen abgestimmten Onboarding-Prozess dienen. Daraus lassen sich beispielsweise Aufgaben für Ausrüstungsbestellungen, Schulungen oder die Einrichtung von Zugängen ableiten.
Dafür müssen die beteiligten Systeme angebunden und Zuständigkeiten sowie Berechtigungen definiert sein.
Systeme über SAP BTP verbinden: SAP Integration Suite
Geschäftsprozesse enden selten im ERP. CRM-Systeme, Onlineshops, Logistikanwendungen und Lieferantenplattformen benötigen ebenfalls aktuelle Daten.
Die SAP Integration Suite unterstützt die Verbindung von SAP- und Nicht-SAP-Anwendungen. Dafür stehen unter anderem Integrationsinhalte, Adapter, API-Management und ereignisbasierte Kommunikation zur Verfügung.
Typische Einsatzmöglichkeiten sind:
- CRM und ERP verbinden: Kunden- und Auftragsdaten zwischen Vertrieb und Auftragsabwicklung austauschen.
- Onlineshops anbinden: Bestellungen an SAP Cloud ERP übergeben und Statusinformationen zurückmelden.
- Logistik integrieren: Versanddaten, Lieferinformationen und Rückmeldungen zwischen ERP und Logistikpartnern übertragen.
- Lieferantenprozesse verknüpfen: Bestell- und Bestätigungsdaten über geeignete Schnittstellen austauschen.
Ob Daten unmittelbar, ereignisgesteuert oder in festgelegten Intervallen übertragen werden, hängt vom Prozess und den verfügbaren Schnittstellen ab.
Für verlässliche Abläufe braucht es außerdem klare Regeln: Welches System führt die Stammdaten? Wie werden Dubletten vermieden? Wer bearbeitet fehlgeschlagene Übertragungen? Erst mit diesen Festlegungen wird aus einer Schnittstelle ein belastbarer Geschäftsprozess.
KI-Funktionen in SAP Cloud ERP ergänzen
SAP BTP bietet Möglichkeiten, KI in eigene Anwendungen und Geschäftsprozesse einzubinden. Über SAP AI Core und den generative AI hub lassen sich beispielsweise KI- und Sprachmodelle für zusätzliche Prozessschritte nutzen.
Mögliche individuelle Szenarien sind:
- Auffällige Buchungen erkennen: Ein Modell kennzeichnet ungewöhnliche Transaktionen für eine anschließende Prüfung.
- Beschaffungsentscheidungen unterstützen: Prognosen liefern zusätzliche Hinweise auf künftige Bedarfe.
- Informationen zusammenfassen: Eine Anwendung bereitet Dokumente oder Vorgangsdaten für die weitere Bearbeitung auf.
Diese Beispiele sind mögliche Erweiterungsprojekte; sie stehen nicht automatisch durch die Aktivierung eines BTP-Services bereit. Zunächst sollten Unternehmen prüfen, ob eine passende Standardfunktion bereits vorhanden ist. Für eigene KI-Szenarien sind geeignete Daten, überprüfbare Ergebnisse und ein definierter fachlicher Prüfprozess erforderlich.
Mehr zur technischen Einordnung erfahren Sie in unserem Beitrag zu SAP Business AI auf der SAP BTP.
Welche KI-Anwendungsfälle bringen Ihr Unternehmen weiter?
Identifizieren Sie geeignete Einsatzmöglichkeiten für KI in Ihren SAP-Prozessen. Gemeinsam bewerten wir Nutzen, Datenbasis und technische Machbarkeit und entwickeln Ihre individuelle KI-Roadmap.
Welche Rolle spielt SAP Joule?
SAP Joule unterstützt die Interaktion mit SAP-Anwendungen in natürlicher Sprache. Je nach Anwendung und aktivierter Funktion kann der KI-Assistent beispielsweise Informationen bereitstellen, die Navigation erleichtern oder Prozessschritte unterstützen. SAP BTP bildet eine Grundlage für die Integration und Erweiterung von Joule; individuelle Skills und Agenten lassen sich mit Joule Studio entwickeln.
Welche Funktionen im Unternehmen verfügbar sind, muss für die jeweilige Lösung und Lizenzierung geprüft werden. Einen Überblick bietet unser Beitrag zu SAP Joule.
Clean Core: SAP Cloud ERP gezielt erweitern
Das Clean-Core-Prinzip zielt darauf ab, Erweiterungen über vorgesehene Mechanismen und freigegebene Schnittstellen umzusetzen. Neben Erweiterungen innerhalb des ERP-Systems gehören dazu auch Side-by-Side-Anwendungen auf SAP BTP.
Bei einer Erweiterung von SAP S/4HANA Cloud auf SAP BTP bleibt die zusätzliche Anwendung vom ERP-Kern getrennt. Sie tauscht Daten über geeignete APIs oder Events mit dem ERP aus.
Diese Architektur kann die Wartung erleichtern und Abhängigkeiten vom Kern reduzieren. Tests bleiben dennoch erforderlich: Auch entkoppelte Anwendungen müssen nach relevanten Änderungen zuverlässig mit dem ERP und anderen Systemen zusammenarbeiten.
Für Unternehmen bedeutet das: Erweiterungsbedarf, Schnittstellen und Betriebsverantwortung sollten gemeinsam geplant werden. So bleibt nachvollziehbar, welche Funktion im Standard, im ERP selbst oder auf SAP BTP umgesetzt wird.
Welche Voraussetzungen brauchen Sie für den Einstieg in SAP BTP?
Bevor Sie SAP BTP-Szenarien produktiv nutzen, sollten Sie einige Voraussetzungen klären. Zunächst benötigen Sie eine aktive SAP BTP-Subskription oder ein Cloud-Guthaben, über das die gewünschten Services freigeschaltet werden.
Darüber hinaus empfiehlt es sich, eine klare Roadmap für die geplanten Anwendungsfälle zu erarbeiten. Welche Prozesse sollen zuerst automatisiert werden? Wo liegen die größten Integrationslücken? Welche KI-Szenarien versprechen den schnellsten Nutzen?
Die Bradler GmbH bietet für diese Phase ein strukturiertes Assessment an, bei dem gemeinsam mit Ihrem Team Potenziale identifiziert und priorisiert werden. So stellen Sie sicher, dass Ihre BTP-Investition auf die Prozesse ausgerichtet ist, die den größten Entlastungseffekt bringen.
Wie gelingt der Einstieg in SAP BTP?
Ein sinnvoller Einstieg beginnt mit einem konkreten Prozessproblem. Besonders geeignet sind Abläufe mit vielen manuellen Übergaben, wiederholten Eingaben oder langen Wartezeiten.
1. Prozesse und Engpässe erfassen
Dokumentieren Sie den heutigen Ablauf: Welche Systeme sind beteiligt? Wo entstehen Fehler? Welche Schritte kosten besonders viel Zeit?
2. Standardfunktionen prüfen
Prüfen Sie, ob SAP Cloud ERP oder eine andere vorhandene Anwendung die Anforderung bereits abdeckt. Anschließend lässt sich entscheiden, ob eine BTP-Erweiterung zusätzlichen Nutzen bringt.
3. Nutzen und Aufwand bewerten
Priorisieren Sie Anwendungsfälle nach messbaren Kriterien wie Durchlaufzeit, Fehlerquote, manuellem Aufwand und Umsetzungskosten.
4. Technische und kommerzielle Voraussetzungen klären
Für die benötigten Services müssen passende Nutzungsrechte und Servicepläne vorhanden sein. SAP BTP bietet sowohl abonnementbasierte als auch verbrauchsbasierte Modelle. Zusätzlich sind Schnittstellen, Berechtigungen und der spätere Betrieb zu planen.
5. Mit einem klar begrenzten Pilotprozess starten
Setzen Sie zunächst einen überschaubaren Anwendungsfall um und messen Sie das Ergebnis. Ein erfolgreicher Pilot liefert die Grundlage für weitere Automatisierungen und Integrationen.
Bei einer SAP Cloud ERP Implementierung sollte diese Erweiterungsstrategie von Anfang an berücksichtigt werden.
Fazit: SAP BTP verbessert Prozesse über Systemgrenzen hinweg
SAP BTP ergänzt SAP Cloud ERP dort, wo zusätzliche Automatisierung, Integration oder individuelle Funktionen benötigt werden. Der größte Nutzen entsteht, wenn Unternehmen konkrete Engpässe lösen und die passende Erweiterungsform wählen.
Für den Mittelstand kann das bedeuten: weniger manuelle Dateneingaben, nachvollziehbare Freigaben und besser abgestimmte Abläufe zwischen ERP und Fachanwendungen. KI kann diese Prozesse zusätzlich unterstützen, wenn Datenbasis und Einsatzszenario passen.
Sie möchten herausfinden, welche SAP-BTP-Anwendungsfälle für Ihr Unternehmen sinnvoll sind? Das Beraterteam der Bradler GmbH unterstützt Sie dabei, geeignete Prozesse zu identifizieren und Architektur sowie Umsetzung zu planen. Informieren Sie sich über unsere Leistungen rund um SAP Business Technology Platform.
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Von SAP-BTP-Potenzialen zu einem konkreten Plan
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Häufige Fragen zu SAP BTP
SAP BTP wird eingesetzt, um Anwendungen miteinander zu verbinden, Geschäftsprozesse zu automatisieren und eigene Erweiterungen zu entwickeln. Typische Beispiele sind der Datenaustausch zwischen CRM und ERP, systemübergreifende Freigaben und zusätzliche KI-Anwendungen.
Ja. Mit SAP Integration Suite lassen sich SAP-Anwendungen und Nicht-SAP-Systeme verbinden, beispielsweise CRM-Lösungen, Onlineshops oder Logistikanwendungen. Voraussetzung sind geeignete Schnittstellen und eine abgestimmte Integrationsarchitektur.
SAP BTP kann für mittelständische Unternehmen sinnvoll sein, wenn manuelle Abläufe, getrennte Anwendungen oder besondere Prozessanforderungen die Arbeit erschweren. Ein klar begrenzter Anwendungsfall hilft dabei, Nutzen, Aufwand und Betriebskosten vor einer größeren Umsetzung zu bewerten.
Die Kosten hängen von den genutzten Services, Serviceplänen und dem Verbrauch ab. SAP BTP bietet abonnementbasierte und verbrauchsbasierte Vertragsmodelle. Zusätzlich sollten Unternehmen den Aufwand für Einrichtung, Entwicklung und laufenden Betrieb berücksichtigen.
Der Einstieg beginnt mit einem konkreten Prozessproblem. Anschließend werden vorhandene Standardfunktionen, benötigte Schnittstellen und passende BTP-Services geprüft. Ein überschaubares Pilotprojekt mit messbaren Zielen schafft eine Grundlage für die weitere Nutzung.